Wie hängen Messmethoden mit unserer Alltagswelt, mit Dingen, die wir herstellen oder benutzen, zusammen?
Egal ob es um die Veränderung
der Eigenschaften
von Materialien, die Präzision
von
Herstellungsprozessen oder die
Miniaturisierung
von Produkten geht, die Grenzen
des Möglichen
liegen in den Grenzen der
Genauigkeit
der Untersuchungsmethoden.
So gilt umgekehrt: Je
detaillierter wir etwas
untersuchen und messen können,
umso mehr
Möglichkeiten für neue
Entwicklungen werden
wir finden.
Ein gutes Beispiel hierfür ist
das Lichtmikroskop,
das die Sichtweise unserer Welt
vollständig
veränderte. Viele der enormen
Fortschritte
in der Medizin, Biologie und
Mikroelektronik,
aber auch in der Werkstoffkunde
wurden dadurch
möglich, dass vorher unsichtbare
Dinge
sichtbar wurden.
Eine ähnliche Entwicklung findet
heute durch
die rasche Verbreitung von
Mikroskopiermethoden
statt, die auch weit hinter den
physikalischen
Grenzen des Lichtmikroskops noch
Objekte abbilden können. Zu
diesen Methoden
gehört die
Rasterkraftmikroskopie.
In dem Maß, in dem
Nanostrukturen sichtbar
gemacht werden können, eröffnen
sich auch
Möglichkeiten, diese gezielt zu
formen.
Die
Herstellung und Strukturierung
von Schichten
mit Abmessungen im
Nanometerbereich hat
zum Beispiel erst die
Mikroelektronik für Handys
und Computer möglich gemacht.
Durch die Nanotechnologie
ergeben sich neue
Entwicklungen in zwei
Zielrichtungen:
1. bekannte Materialien können neue
Eigenschaften
gewinnen und dadurch neue
Anwendungsmöglichkeiten
eröffnen,
2. der Einsatz von Nanomaterialien
soll den
Rohstoff- und Energieverbrauch mindern.
Nanotechnologie in der CTA-Ausbildung

Die zunehmende Bedeutung der
Nanotechnologie für die Entwicklung neuer
Werkstoffe, Produkte und
Arbeitstechniken erfordert in steigendem Maße gut
ausgebildete Fachkräfte – auch
ohne Studium. Die Materialien der Nanotechnologie
sind Nanoteilchen und
Nanoschichten.
Ob es um Partikel oder Schichten
geht, chemische und
physikalische Grundlagen und Erfahrungen in Laborarbeit
und Messtechnik spielen bei
deren Herstellung und Untersuchung eine immer
größere Rolle. Die heutige
Ausbildung zu chemisch-technischen Assistenten
bietet dazu bereits beste
Voraussetzungen, bedarf allerdings der Ergänzung um
nanospezifische Bereiche. In
unserer CTA-Ausbildung lernen die Auszubildenden
Nanotechnologie kennen und mit
den entsprechenden Herstellungs- und
Messmethoden umzugehen.
Die CTA-Ausbildung
Das Berufsbild eines CTA hat
sich kontinuierlich
mit den Entwicklungen von
Präparations-,
Analysen- und Messmethoden
verändert. So
tritt die traditionelle
Chemieausbildung – wie
nasschemische Analyseverfahren
im Rahmen
der „Trennungsgänge“ und
klassische Versuche
der Physikalischen Chemie – mehr
und
mehr zugunsten
instrumentalisierter und automatisierter
Analysenmethoden in den
Hintergrund.
Niedergeschlagen hat sich diese
Entwicklung
letztendlich auch in den seit
2004 gültigen
Rahmenrichtlinien des Landes
Niedersachsen.
Statt der klassischen Fächer wie
Anorganische
Chemie, Organische Chemie, Physikalische
Chemie und Analytische Chemie
gibt es nun
handlungsorientierte Lernfelder
wie „Lösungen
herstellen“, „Stoffe
dünnschicht- und gaschromatografisch
untersuchen“, „Organische
Präparate herstellen und
untersuchen“ und
„Stoffe spektroskopisch untersuchen“.
Durch das Lernfeldkonzept werden
die Fach-,
Lern- und Sozialkompetenzen der
Auszubildenden
auch in Richtung einer höheren
Eigenverantwortlichkeit
für das zukünftige Berufsleben
gestärkt.
Was ist das besondere an der CTA-Ausbildung an der Akademie Göttingen?
Das von uns entwickelte Konzept
zur Einbeziehung
der Nanotechnologie in die
CTA-Ausbildung
hat großes Interesse
und Zustimmung
im niedersächsischen
Kultusministerium gefunden.
Das neue Lernfeld
Nanopartikel und
-schichten herstellen
und untersuchen
ist seit dem Schuljahr
2008/2009 der Akademie
Göttingen als Modellprojekt
Teil der Ausbildung.
Von Anfang an fließt das
Thema auch in den
Unterricht der andere
Lernfelder ein, um ein
Verständnis für die Abmessungen
im Nanometerbereich
zu entwickeln. Bei der
Behandlung von chemischen
und physikalischen
Größen spielen die
Abmessungen eine zunehmende
Rolle, z. B.
wird deutlich, wie sich
die durch die Oberfläche
bestimmten Effekte mit
der Verkleinerung der
Teilchen bei gleicher
Masse ändern. Anhand
von Solen und Gelen
werden erste Erfahrungen
mit Nanoteilchen in
Lösungen gesammelt.
Zum Erkunden des
Tyndall-Effekts werden
selbst hergestellte
Gold-, Kupfer- oder
Silberkolloide
eingesetzt.
Das Augenmerk wird
auch auf die Unterscheidung
des Makrokosmos,
mit kontinuierlich
beschreibbaren
Vorgängen,
im Gegensatz zum Nanokosmos,
mit gequantelten
Vorgängen an der
Grenze zur „materiellen
Unschärfe“, fallen.
Die Fertigkeiten und
Erfahrungen,
die beim pHMessen,
beim Fällen und Abtrennen von Feststoffen,
bei Extraktionen,
bei Ätz- und Lösevorgängen
mit Säuren
und Basen, beim Wiegen,
Messen, Titrieren,
Spektroskopieren, bei
der Probenvorbereitung
und -behandlung u. v. a.
erworben werden, sind
ebenso wichtige Grundlagen
für den filigranen
Bereich der Nanochemie
und -analytik.
Das neue Lernfeld
Nanopartikel und
-schichten herstellen
und untersuchen
liegt im zweiten Ausbildungsjahr
und befasst
sich dann konkret mit
Partikel
Die Auszubildenden lernen
die wichtigsten Verfahren
kennen und stellen
Partikel von unterschiedlichen
Stoffen her
und untersuchen diese
im Vergleich zu nicht
nanoskaligen Teilchen.
Spätestens hier wird erfahren,
wie sehr sich
Eigenschaften ändern,
wenn die Teilchen extrem
klein werden. Für
viele Anwendungen ist
es sehr wichtig, die Größe
und die Größenverteilung
der Partikel zu
kennen. Diese werden
zum Beispiel mit
gestreutem Laserlicht
gemessen. Die Untersuchungen
und Auswertungen
stehen im Zusammenhang
mit einer
Reihe von möglichen
Anwendungen. Dazu
zählen nanokristalline
Farbstoffsolarzellen und
Materialien, deren
Stoffeigenschaften durch das
Einbinden von Nanopartikeln
neue, verblüffende
Eigenschaften erhalten, zum
Beispiel absolut
wasserabweisende Textilien,
feuerfestes Papier,
elektrisch leitende
Kunststoff-Polymere.
Ausblick
Die Akademie Göttingen hat
innovative Maßstäbe
in der Ausbildung im
nichtakademischen
Bereich geschaffen. Die
angehenden CTA lernen
ergänzend zu den klassischen
Themen wie
der Chemischen und
Instrumentellen Analytik
die Nanotechnologie mit ihren
Herstellungsmethoden
kennen, lernen wie die
Messgeräte
funktionieren, wie sie bedient
werden und was
die Messergebnisse zeigen. Damit
haben sie
gute Chancen, eine interessante
Tätigkeit in
diesen zukunftsträchtigen
Forschungs- und
Wirtschaftszweigen zu finden.
Auszubildende
mit Realschulabschluss erhalten
zudem die
Möglichkeit, parallel zur
Berufsausbildung die
Fachhochschulreife zu erwerben.
Schichten
Hier werden ultradünne Schichten
hergestellt
und untersucht. Besondere
Bedeutung haben
solche Schichten zum Beispiel
für die Herstellung
von Speichermedien und
Oberflächen mit
besonderen Eigenschaften. Zu den
Herstellungsverfahren
gehört das Aufdampfen von
nanometerdicken Schichten aus
Gold oder aus
anderen Metallen auf
unterschiedliche Trägermaterialien
im Vakuum. Mit Fotolack und
Ätztechnik werden den Schichten
gezielt strukturierte
Formen gegeben.
Die
Rasterkraftmikroskopie,
die zu den wichtigsten
Messmethoden
in der Analytik von
Nanostrukturen
zählt, kommt nun für die
Untersuchung unterschiedlichster
Oberflächenstrukturen zum
Einsatz.
Mit den neuen, von der
Physikalisch
Technischen Bundesanstalt PTB in
Braunschweig
für die Ausbildung entwickelten
Geräten lernen die
Auszubildenden das Arbeiten
mit dieser wichtigen auch in der
Biologie,
Medizin und Technik zunehmend
eingesetzten
Mikroskopiermethode.
Autoren:
Dr. Edith Bertling-Kampf
Dr. Wolfgang Bodenstein
Dr. Norbert Hasselmann